Zur Person

Berufliche Rollen

  • Psychotherapeut, Fachrichtung Psychodrama | ÖAGG, Masterstudium Psychotherapie, Donau Universität Wien
  • Musiktherapeut | ÖBM, Studium Hochschule f. Musik und Darstellende Kunst, Wien
  • langjährige Tätigkeit als sozialpädagogischer Betreuer
  • Weiterbildung als Sexualtherapeut | ÖAGG Fachsektion Psychodrama
  • laufende Fortbildung in Körperpsychotherapie
  • Weiterbildung in Traumatherapie (trauma fokus - vormals Brainspotting)

Persönliches

Jahrgang 1961, aufgewachsen in Feldkirch/Vorarlberg, seit 20 Jahren als Neo-Weinviertler mit meiner Familie am Land lebend; Selbstbeschreibung: naturverbunden und genußfreudig, Energiequellen: Lesen, Laufen, Musik, Fotografieren, webdesign.

 


 

Im Spiegel betrachtet - ein fiktives Interview

Was bedeutet Psychotherapie für Sie - mit welchen Zutaten kann es gelingen?

Pthp ist gelingende heilsame Begegnung zweier Personen mit klaren Zielen, die immer wieder neu anvisiert werden. Dazu gehört es, sich in jeder Stunde von der Neugier leiten lassen, Achtsamkeit und Respekt zu üben, Fehler und Unvollkommenheiten wahrnehmen und aushalten lernen, Humor, Erfahrung, Mut, Geduld, neue Wege,Tränen, Wärme, Wissen, sich schützen lernen, Öffnung, Für KlientInnen bedeutet es oft: unbequemer für die Umwelt zu werden

Psychotherapie bedeutet für mich auch die (Weiter-)Entwicklung von Liebesfähigkeit.  

Wie sind Sie selbst zur Psychotherapie gekommen?

Über meine beiden Berufe davor, Musiktherapeut, sozialpädagogischer Betreuer. In beiden Feldern waren psychotherapeutisches Wissen und Ansätze wichtige Grundlagen. Spannend und lehrreich war die Erfahrung der Eigentherapie, die jeder Therapeut absolviert, wofür das Leben an sich genug "Stoff" geboten hat. Damit meine ich das berühmte "Pinkerl", das jedeR zu tragen hat.

Wie ist es für Sie, so viele Probleme zu hören?

Es berührt und macht neugierig, meist kann ich bei meiner Tätigkeit sagen: Einblicke in die Lebensentwürfe anderer Menschen zu bekommen ist sehr erfüllend. Warum: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, das Leben zu meistern. Und es gibt nichts, was es nicht gibt. Manchmal ist es auch erschütternd und erfordert Standvermögen. Oft lasse ich miich von den Fragestellungen meiner KlientInnen dazu anregen, selbst neue Themen zu erforschen, nachzulesen oder Fortbildungen und kollegialen Austausch zu suchen.

Wo gehen Psychotherapeuten mit ihren Problemen hin?

Zuerst einmal zu ihrem Supervisor, wo zunächst berufliche von den privaten Anteilen trennen lernen. Ein Supervisor ist ein erfahrener Therapeut, der mithilft, dass eine professionelle Haltung wiedergefunden wird. ... und wenn dabei größere Baustellen auftreten, dann selbst Therapiestunden nehmen. Anrufen, Termin vereinbaren, ... aber das kennen Sie als KlientIn bereits (oder bald). Ich erlebe es als sehr fruchtbar und entlastend, selbst bei Bedarf in die Rolle des Beratenen zu gehen. Als PsychotherapeutInnen tragen wir auch Lasten und sollten uns ebenso helfen lassen, bevor es zuviel wird.

Erfolg & Wirksamkeit von Psychotherapie?

Meine vorsichtige Schätzung dazu: etwa ein Drittel erlebt die Psychotherapie "mit durchschlagendem Erfolg" eindrucksvoll verändernd; ein Drittel erlebt Erleichterung und arrangiert sich deutlich besser mit seinen Themen; ein Drittel probiert kurz aus und sucht eventuell noch nach einem passenderen Therapeuten oder einem geeigneteren Zeitpunkt. Ich bin überzeugt, dass es für eine erfolgreiche Entwicklung in der Therapie immer einen günstigen Zeitpunkt gibt, an dem die Veränderungsbereitschaft am höchsten ist (oder die Ängste vor Neuem am geringsten).

Was bedeutet seelische Gesundheit?

Seelische Gesundheit ist kein EIN/AUS Zustand sondern eine wandelbare Größe ähnlich der körperlichen Gesundheit. Dies bedeutet nicht Erlangen von Sorgenfreiheit oder Fehlen jeglicher Probleme. Da ist immer etwas "in Arbeit", es wächst was Neues, etwas kommt zu einem Ende oder es wird etwas umgebaut. Gesundheit zeigt sich für mich in Lebensbejahung diesem Vorgang gegenüber, Neugier, Offenheit zu eigenen Gefühlen, Ausrichtung auf Ressourcen; und letztlich hat Gesundwerden viel mit (wieder) liebesfähig Werden zu tun.

Wo liegen (Ihre) Grenzen von Psychotherapie?

Grenzen tun sich auf, wenn keine tragfähige therapeutische Beziehung gelingt. Auch wenn es laufend Mißverständnisse gibt, weil z.B. der Therapierahmen nicht eingehalten wird und dies schwer geklärt werden kann. Auch wenn lange keinerlei Behandlung erfolgte und sich Haltungen sehr eingefahren haben, erlebe ich Psychotherapie schwierig - aber immer einen Versuch wert. Ebenso wenn wichtige Grundbedürfnisse (noch) nicht gedeckt sind, Wohnung, Arbeit, Finanzen. Grenzen empfinde ich auch dort, wo Menschen sich selbst nur mehr "zur Reparatur bringen" wollen, weil sie sich vorwiegend als "Funktionseinheit" sehen. Wenn die Psyche als ein "Maschinenteil" gesehen wird , das nicht so recht will; Heilung auf Knopfdruck, fünf Tipps und wieder weiter durchs Leben rasen - da kann ich persönlich schwer mit.

Rolle der Psychotherapie in dieser Zeit?

In Zeiten der Wirtschaftskrise ist für manche die persönliche finanzielle Situation eine Hürde. Bevor die Miete oder die Schulsachen für das Kind nicht bezahlt sind, geht niemand zum Psychotherapeuten. Ich erlebe es häufig, dass Menschen auf Grund der allgemeinen Wirtschaftslage und deren Folgen an ein seelisch-körperliches Limit kommen. Überspitzt könnte man sagen, wir (Psychothp) kümmern uns um die, welche das "Rennen" nicht unbeschadet überstanden haben. Eine andere wichtige Aufgabe sehe ich darin, Menschen wieder zur Selbstfürsorglichkeit (nicht zu verwechseln mit Egozentrismus) hinzubegleiten. Pflichten und Erwartungen von außen haben dies oft verstellt. Besondere Bedeutung hat gegenwärtig die Ermutigung von Menschen und das Angebot einer authentischen sowie realen Beziehung. Dies halte ich in Zeiten des virtuellen Kontakt- und Beratungsangebots für besonders wichtig.

Wie finden Sie die "richtigen" Therapieziele?

Die finden meine KlientInnen meist selbst, ich sehe mich dabei als Assistent, als Spiegel oder wie man heute sagen würde, als "Navi". Ich habe gelernt meine Ziele von denen der KlientInnen zu unterscheiden. Wir gelangen je nach Tiefgang von der Symptomebene zu tieferliegenden Fragen (und Antworten). Zum Beispiel zur Bedeutung der Krankheit, zu fälligen Entwicklungsschritten und sehr oft auch zur Sinnfrage. Doch wo es dann wirklich "lang geht" bestimmen meine KlientInnen.

Schlußbemerkung

Ich wünsche mir nach wie vor, dass seelische Erkrankungen sowohl von Betroffenen als auch von der Gesellschaft (inklusive Krankenversicherungen,GesundheitspolitikerInnen) den körperlichen Erkrankungen gleichgestellt behandelt werden. Sie sollen weiterhin beforscht und in ihrem Stellenwert erkannt und die daraus  resultierenden Behandlungskosten fair aufgeteilt werden.

 

 

 

Stichworte: 
Psychotherapie
Musiktherapie
Sexualtherapie
Traumatherapie
brainspotting